Zu gewinnen gibt es nichts – oder doch? Die Reutlinger Reading Challenge 2021

Irgend etwas hat uns vor Monaten die Pausetaste gedrückt. In der Stadtbibliothek ist es still. Keine Klassenführungen, keine Lerngruppen, keine Veranstaltungen, kein Kindergeschrei. Zwischen den Regalen ist kaum ein Mensch zu sehen. Nur unsere Stammleser/innen besuchen die Stadtbibliothek regelmäßig. Und sie wollen unterhalten werden. Romane und Erzählungen, Spielfilme und Hörbücher sind die Renner. Was uns fehlt, sind Gespräche über Leseerlebnisse und Medienwünsche. Hinter Plexiglas und mit Maske lässt sich nicht gut klönen.
Deshalb haben wir uns etwas ausgedacht: Die erste Reutlinger Reading Challenge. Eine Reading Challenge ist eine kreative Aufgabe rund um das Lesen. Zu einer vorgegebenen Liste von Themen soll bis zum Jahresende passend zu jedem Thema ein Buch gelesen werden. Möglicherweise gibt die Aktion Anregungen und positive Inspirationen in diesen Zeiten. Hier stellen wir die 10 Kategorien vor.

Zu gewinnen gibt es nichts – halt, das ist nicht richtig!
Zu gewinnen gibt es Lese-Schätze zu entdecken und Lese-Abenteuer zu erleben.
Lasst Euch ein auf die Reutlinger Reading Challenge #rtrc21.

Lies ein Buch, das auf einer wahren Begebenheit beruht!

Wahre Geschichten faszinieren uns immer wieder. Einerseits sind die Geschichten nicht minder spannend als erfundene und entführen in Welten abseits vom Alltag, andererseits bietet der Gedanke „Es könnte auch mir passieren“ einen besonderen Nervenkitzel. Vielleicht leiden und freuen wir uns beim Lesen noch einmal anders mit als bei fiktiven Geschichten. Die Worte „nach einer wahren Begebenheit“ haben ihren ganz eigenen Zauber. Was inspiriert Euch an Geschichten über wahre Begebenheiten? Postet Eure Kommentare unter #rtrc21.

Lesetipps

Capote, Truman:
Kaltblütig : wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen. Berlin: Kein & Aber, 2013 – 534 Seiten

Zu Anfang einen echten Klassiker: Mit Kaltblütig landete der amerikanische Schriftsteller 1965/66 einen internationalen Bestseller. Das Buch galt als literarische Sensation und ist die Rekonstruktion der Morde an der Farmerfamilie Clutter in Westkansas. So liefert Capote durch seine Beschreibung der Lebensläufe zweier Mörder einen Hintergrund für die anfangs völlig unbegreifliche Tat. Mit dem Buch wollte Truman Capote einen „non-fiktionalen Roman“ erschaffen, der beweisen sollte, dass ein Tatsachenroman genauso spannend sein kann wie ein Thriller. Damit begründete er ein neues Genre.

Frank, Arno:
So, und jetzt kommst du: Roman. Stuttgart: Tropen, 2017 – 351 Seiten

Eines Nachts wecken die Eltern die Kinder auf. Sie sollen das Notwendigste packen, dann geht es los, in den „Urlaub“. Der Vater hat Geld unterschlagen, damit setzt sich die Familie nach Südfrankreich ab. Sonne, Palmen, Strand. Es ist wunderbar, bis das Geld zur Neige geht und Interpol vor der Tür steht. Hier könnte es zu Ende sein, aber die Flucht geht weiter. Quer durch Europa bis nach Lissabon, ein Leben im Untergrund. Und immer in Angst, von der Polizei entdeckt zu werden. Arno Frank erzählt die wahre Geschichte seiner Familie.

Franzobel:
Das Floss der Medusa: Roman nach einer wahren Begebenheit. Wien: Paul Zsolnay Verlag, 2017 – 590 Seiten

Juli 1816: Vor der Westküste von Afrika entdeckt der Kapitän der Argus ein zwanzig Meter langes Floß. Was er darauf sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut. Die ausgemergelten Gestalten sind die letzten 15 von 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt haben. Diese historisch belegte Geschichte bildet den Rahmen für den Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. Wie hoch ist der Preis des Überlebens?

Lind, Hera:
Die Hölle war der Preis: Roman nach einer wahren Geschichte. München: Diana, 2020 – 447 Seiten

DDR, Winter 1974: Gisa und ihre Mann Ed werden bei einem Fluchtversuch an der Grenze geschnappt. Wegen Republikflucht werden beide zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Gisa kommt ins Frauengefängnis Hoheneck – den Schergen des Staates und ihrer Willkür hilflos ausgeliefert. In ihrem neuen großen Tatsachenroman lässt Hera Lind eine Frau zu Wort kommen, die über ihre Schreckensjahre im DDR-Gefängnis Hoheneck bisher geschwiegen hat

 

Lies ein Buch mit einem schwarz-weissen Cover!

In dieser Kategorie geht es um schwarz-weisse Cover. Schwarz-weiss ist langweilig?  Aber nicht doch! Schwarz-weisse Cover triggern uns: Schwarz und weiss und Gut und Böse und Richtig und Falsch – da kommen gleich kulturell geprägte Assoziationen auf. Kein Wunder, dass gerade viele Kriminalromane mit schwarz-weissen Covern daher kommen. Sie haben einen gewissen Schick, denn auch Minimalismus bringt Aufmerksamkeit. Schachbretter sind schwarz-weiß und Schach ist das Synonym für anspruchsvollen Zeitvertreib – vielleicht ist auch das der Hintergedanke mancher Verlage? Und auf jeden Fall wollen sich die Anbieter von der bunten Konkurrenz in den Buchhandlungen abheben. Was lösen schwarz-weisse Cover bei Euch für Gefühle aus? Mögt Ihr sie oder hasst Ihr sie? Schreibt es unter dem Hashtag #rtrc21.

Lesetipps

Dische, Irene:
Schwarz und Weiss: Roman. Hamburg: Hoffmann & Campe, 2017. – 488 Seiten

Für unser Thema „Schwarzweiss“ ist dieser Roman fast ein Muss. Und Irene Dische eine Autorin, die es zu entdecken lohnt. Ende der 1960er-Jahre stolpert der naive Duke Butler in das Leben einer intellektuellen Familie in der New Yorker Upper West Side. Duke muss lernen, dass der echte New Yorker gut ohne Herz auskommt, nicht aber ohne Ellbogen. Ein Roman um die Auseinandersetzung mit Projektionen und Heilsversprechen, individuellen Träumen und sozialen Realitäten.

Beukes, Lauren:
Moxyland : Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verl., 2016. – 362 Seiten

Kapstadt in naher Zukunft. Die Schere zwischen Arm und Reich, Offline und Online klafft auseinander. Es gibt neue Technologien und Chancen, aber auch mehr Kontrolle und weniger Freiheit. Vier Menschen wollen in dieser Welt bestehen, suchen ihren Weg zwischen Auflehnung und Konformität.

Pelecanos, George P.:
Prisoners: Roman. Cadolzburg: ars vivendi, 2019. – 227 Seiten

Michael, gerade aus dem Gefängnis entlassen und dabei, sich ein neues Leben aufzubauen, muss eine alte Schuld begleichen. Denn seine Freilassung verdankt er der Trickserei eines Privatdetektivs und der braucht nun seine Hilfe. Michael hat die Wahl: wieder zurück ins Gefängnis oder mitmachen.

Tuomainen, Antti:
Die letzten Meter bis zum Friedhof: Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, Februar 2018. – 316 Seiten

Der junge finnische Unternehmer Jaako wurde schleichend vergiftet und hat nur noch kurz zu leben. Diese Zeit will er nutzen, um seinen Mörder zu entlarven, die untreue Ehefrau zu bestrafen und die Firmenkonkurrenz auszuschalten. Markaber-skurrile, spannende und komische Krimikost!

Schebesta, Lutz:
Der Koch ist tot : Roman. München: Piper, 2020. – 229 Seiten

Der deutsche Koch Ludger hat genug von politischer Korrektheit und gefühlter Ungleichbehandlung. Er versucht, seinem Leben ein Ende zu setzen und scheitert. Plötzlich wird er für einen Syrer gehalten und erlebt Stereotype und Augenblicke der Wut von der anderen Seite.

 

Lies ein Buch, in dem Musik eine Rolle spielt!

Hier geht es um Romane und Erzählungen, in denen Musik eine Rolle spielt. Musik begleitet die Menschen seit Urzeiten. Kein Wunder, dass auch die Literatur das Thema für sich entdeckt hat. Egal ob klassische Kammermusik im barocken Spiegelsaal zelebriert wird oder es um die dröhnenden Bässe einer Rock-Band geht, die Welt der Musik ist reine Emotion. Und diese Gefühle sind Schatztruhen und Fundgruben für viele Schriftsteller/innen und doch eine ganz besondere Herausforderung: Denn wie kann man Musik angemessen in Sprache umsetzen? Kennt Ihr Romane und Erzählungen, wo dies gut gelungen ist? Dann schreibt uns unter dem Hashtag #rtrc21.

Lesetipps

Cartmel, Andrew:
Murder swing: Thriller. Berlin: Suhrkamp, 2019 – 526 Seiten (Vinyl Detective; 1)

Launiger Thriller um einen Vinyl-Detektiv in London mit Tempo und Ironie, vielen musikalischen Bezügen und ungewöhnlicher Szenerie. Die Suche nach einer speziellen Schallplatte wird von plötzlichen Todesfällen begleitet. Haben sie etwas mit der LP zu tun? Erster Band einer neuen Reihe um die Vinyl-Detektive. Der zweite Band „Killer Rock“ ist auch schon erschienen.

Jenkins Reid, Taylor:
Daisy Jones and The Six. – Berlin: Ullstein, 2020. – 363 Seiten

Daisy Jones wird als Sängerin der Gruppe The Six zum Star und die Band erlebt für einige Jahre einen kometenhaften Aufstieg. Roman einer fiktiven Band und Huldigung an die Rockmusik und das Jahrzehnt der 1970er. Erzählt in Interviews. Das Buch verknüpft Pop-Mythos, Liebes- und Zeitgeschichte.

Kelly, Jimmy:
Streetkid : Fluch und Segen, ein Kelly zu sein. München: Heyne, 2017. – 255 Seiten, Illustrationen

In den neunziger Jahren füllen die Kelly Family die größten Hallen Deutschlands und verkaufen Millionen CDs. Aber der Erfolg hat seinen Preis. Doch irgendwann sind die Millionen  weg. Ehrlich, menschlich und sehr persönlich erzählt Jimmy Kelly seine Lebensgeschichte.

Ortheil, Hanns-Josef:
Wie ich Klavierspielen lernte: Roman meiner Lehrjahre. Berlin: Insel Verlag, 2019 – 317 Seiten

Der autobiografische Roman des 1951 in Köln geborenen Autors schildert den langen und mühsamen Weg des Ich-Erzählers von den ersten Versuchen des Fünfjährigen am Klavier über endlose Übungsstunden und wechselnde Klavierlehrer zum Meisterschüler und Konzertpianisten.

Schneider, Peter:
Vivaldi und seine Töchter: Roman eines Lebens. Köln: Kiepenheuer &Witsch, 2020. – 286 Seiten

Biografischer Roman über den zu Lebzeiten berühmten Barock-Komponisten Antonio Vivaldi (1678-1741). Schwerpunkte bilden dabei Vivaldis enge Beziehung zur Star-Sopranistin Anna Girò, aber auch die Konflikte zwischen den Aufgaben als Priester und als Musiker.

Soundcheck: Geschichten für Musikfans / ausgewählt von Christine Stemmermann. Zürich: Diogenes, 2019. – 255 Seiten

Was wäre das Leben ohne good vibes? Stimmungsvolle Stories über Blues, Jazz, Rock & Pop. Die Magie der Musik entfaltet sich hier in den unerwartetsten Momenten: Ein Paar macht Liebe zu Fahrstuhlmusik – und gibt es einen Himmel für Rocker? Geschichten von Haruki Murakami, Navid Kermani, George Watsky und Benedict Wells, Sven Regener, Rachel Joyce, Lily Brett und vielen mehr.

 

Lies ein Buch mit 3 Wörtern im Titel

3 sind aller guten Dinge und deshalb heißt das Motto einfach nur „3 Wörter im Titel“. Jetzt stellt sich die Frage „Wer denkt sich so was Blödes aus?“ Asche auf unser Haupt. Aber eine Reading Challenge muss auch mal Freiräume und Spielerisches bieten. Und solch eine auf den ersten Blick „abstruse“ Kategorie hat durchaus ihren Reiz. Hinterfragt Euch mal: wie wählt Ihr eure Bücher aus? Spricht das Titelbild an? Die Schriftgröße, der/die Autor/in, das Thema, das Genre oder was sonst? Warum nicht einmal den suchenden Blick richten auf das Ungewohnte oder bisher nicht Wahrgenommene wie zum Beispiel 3 Wörter im Titel? Es gibt neue Blickwinkel auszuprobieren! Und egal was, egal wie, lest los! Und postet gerne Eure – hoffentlich positiven – Erfahrungen mit 3 Wörtern im Titel unter #rtrc21.

Lesetipps

Heyman, Arlene:
Scary old sex: Erzählungen. München: btb, 2018. – 255 Seiten

Wie sieht Sex im Alter aus? In sieben Kurzgeschichten erzählt die amerikanische Psychiaterin, selbst über 70, von älteren Paaren, die mit Humor und Offenheit neue Wege für die Liebe finden, von leidenschaftlichen Affären, aber auch von Krankheit, Tod und schrecklichen Ereignissen.

Huxley, Aldous:
Schöne neue Welt: ein Roman der Zukunft. Frankfurt am Main: Fischer TaschenBibliothek, 2016. – 412 Seiten

1932 erschien eines der größten utopischen Bücher des 20. Jahrhunderts: ein verführerischer Aufriss unserer Zukunft, einer Welt der totalen Diktatur und Indokrination. Es ist die beste aller Welten – bis einer hinter die Kulissen schaut und einen Abgrund aus Arroganz und Bosheit entdeckt. Ein Klassiker der Weltliteratur in Neuübersetzung.

Kwan, Kevin:
Crazy rich Asians: Roman. Zürich: Kein & Aber, 2019. – 570 Seiten

Nick stammt aus der glitzernden Welt der asiatischen High Society, lebt in NY und liebt Rachel, die aus einfachen Verhältnissen stammt. Als sie in Singapur auf Nicks Familie trifft, merkt sie, dass sie in der Welt der Superreichen in einem Haifischbecken gelandet ist. Wird ihre Liebe den Intrigen standhalten?

McEwan, Ian:
Maschinen wie ich: und Menschen wie ihr. Roman. Zürich: Diogenes, 2019. – 404 Seiten

Charlie und Miranda verlieben sich, gerade als Charlie seinen ›Adam‹ geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben?

Meloy, Maile:
Bewahren Sie Ruhe: Roman. Zürich: Kein & Aber, 2018. – 429 Seiten

Was passiert, wenn zwei Familien eine Kreuzfahrt machen und während eines Landganges verschwinden die Kinder plötzlich? Denn was da passiert, ist der Alptraum jeder Familie: Während die Eltern zunächst sich selbst und dann sich gegenseitig beschuldigen, geht es bei den Kindern ums blanke Überleben.

 

Lies ein Buch mit einer weiblichen Hauptfigur!

Kaum eine Reading Challenge ohne Frauenbücher. Ist ja auch ein wichtiges Thema. Eine Studie befasste sich kürzlich mit der Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb #Frauenzählen. Wie einflussreich sind Frauen in den Medienbetrieben und wie werden sie wahrgenommen in der Literaturkritik und bei Literaturpreisen? Die Stadtbibliothek fördert Vielfalt und stellt Medien bereit, die auf ganz unterschiedliche Weise von Frauen erzählen. Darum meinen wir: in dieser Reading Challenge darf die Kategorie „Frauen“ dabei sein. Und das nächste Mal sind es dann Männer oder diverse Menschen.

Lesetipps

Braithwaite, Oyinkan:
Meine Schwester, die Serienmörderin: Roman. Berlin: Blumenbar, 2020. – 239 Seiten

Lagos, Nigeria. Korebe hat ein inniges Verhältnis zu ihrer Schwester. Die attraktive Ayoola ist heiß begehrt. Allerdings hat sie eine schlechte Angewohnheit: Sie bringt ihre Männer irgendwann um. Korebe deckt sie, bis sich Ayoola den Mann angelt, den Korebe liebt. Wie weit reicht ihre Loyalität?

Eckhart, Lisa:
Omama: Roman. Wien: Paul Zsolnay Verlag, 2020. 382 Seiten

Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart (Jahrgang 1992) hat die Lebensgeschichte ihrer patenten, geschäftstüchtigen Oma Helga aufgeschrieben. Schwarzhumorig und bitterböse.  Und wenn sie nicht wahr ist, dann ist sie zumindest gut erfunden.

Flügel, Agnes Johanna:
One-Way-Ticket nach Lissabon: das Jahr, in dem ich nochmal ganz von vorn anfing. Hamburg: Rowohlt Polaris, 2020. – 220 Seiten

Die Imkerin Agnes Flügel erlebt ihre Midlife-Crisis als Midlife-Chance. Durch den Tod ihres Vaters und ihre gescheiterte Ehe aus der Bahn geworfen, sucht sie in Lissabon einen Neuanfang. Es gelingt ihr, mit ihren Talenten und Erfahrungen wieder ein erfülltes Leben zu gestalten.

Schwager, Susanna:
Das halbe Leben: junge Frauen erzählen. Zeichnungen von Raoul Ris. Gockhausen: Wörterseh, 2017. – 186 Seiten

Ob Boxweltmeisterin, Buchhändlerin, Pflegefachfrau, Rockstar, Moderatorin, Orientierungsläuferin, Elektronikfachfrau oder Mutter, sie alle haben in diesem Buch eines gemeinsam: Unkompliziert und kraftvoll heissen sie die Zukunft willkommen. Hier sind Heldinnen des Alltags, traurig und lustig, schwungvoll, stolpernd und leichten Fusses unterwegs. Ein Lesebuch, das die Vielfalt weiblicher Lebensentwürfe zeigt.

Woodward, Kay:
Power women: geniale Ideen mutiger Frauen. München: arsEdition, 2018. – 112 Seiten : Illustrationen

Mit einem Zitat, einer Kurzbiografie und einer Illustration werden hier 25 außergewöhnliche Frauen aus 2000 Jahre Geschichte vorgestellt. Ein Lesebuch für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

 

Lies ein Buch mit Illustrationen!

„Illustrare“ heißt erleuchten, erhellen, anschaulich machen. Und da sind wir schon beim Kern der Illustration: Sie ist mehr als nur ein nettes Beiwerk zum Buch. Illustrationen erfüllen mehrere Aufgaben. Das wird auch durch den Duden verdeutlicht. Man könnte  laut diesem renomierten Nachschlagewerk statt Illustration  Abbildung, Ansicht, Aufnahme, Bebilderung, Darstellung, Schaubild, Veranschaulichung, Erklärung und noch vieles mehr schreiben. Gute Illustrationen legen den Fokus auf das, was wichtig ist, manchmal ganz anders und oft gezielter als ein Foto.  Was ist Euer Lieblings-Bilder-Buch? Schreibt es uns unter #rtrc21. Wer in die Welt der Bilder eintauchen will, voila!

Lesetipps

Benecke, Mark:
Kat Menschiks und des Diplombiologen Doctor Rerum Medicinalium Mark Beneckes illustrirtes Thierleben. Köln: Galiani Berlin, 2020. – 112 Seiten, Illustrationen (farbig)

Tiere haben viele beeindruckende, sympathische und amüsante Eigenschaften. Von ihnen erzählt der Kriminalbiologe M. Benecke. Illustratorin Kat Menschik hat die animalischen Wunderwesen in Szene gesetzt. So z.B. Möpse, Alexandersittich, Pudel, Wolfspudel, Elche, Schinkenkäfer, Pfeilstörche, Enten, Glühwürmer, Silberfischchen, Stare, Fledermäuse.

Binder, Hannes:
Der digitale Dandolo. Zürich: Limmat Verlag, 2020. – 54 ungezählte Seiten, Illustrationen (schwarz-weiß)

Der schweizerische Zeichner Hans Binder wird eingeladen, eine Tagung zur digitalen Zukunft Venedigs zu begleiten. Er träumt sich in phantastische Szenen aus Geschichte und Gegenwart an den Schauplätzen der Lagunenstadt und lädt per QR-Codes ein, ihre Kunstschätze zu entdecken. Das Buch zelebriert Venedig als Albtraum, durch den klassische Maler und digitale Errungenschaften geistern.

Jacobson, Sid / Colón, Ernie:
Das Leben von Anne Frank: eine grafische Biografie. Hamburg: Carlsen, 2018. – 160 Seiten: Illustrationen: teilweise schwarz-weiß

Grafische Biografie über das Mädchen aus Frankfurt, das, nachdem sein Amsterdamer Versteck verraten worden war, 1945 im KZ Bergen-Belsen dem Holocaust zum Opfer fiel. Das Anne-Frank-Museum in Amsterdam hat gemeinsam mit den  Comic-Künstlern Sid Jacobson und Ernie Colon die Umsetzung einer Biografie Anne Franks gewagt, und herausgekommen ist eine beeindruckende Adaption.

Schmolke, Frank:
Nachts im Paradies. Zürich: Edition Moderne, 2019. – 358 Seiten

Der Münchner Taxifahrer Vincent nimmt den Leser mit in die nächtliche Welt der Großstadt während des Oktoberfestes. Frank Schmolke, selbst jahrelang Taxifahrer in München, beschreibt und zeichnet in dieser Graphic Novel eindringlich die ungewisse Zukunft des Taxigewerbes und die Kehrseite des Münchner Oktoberfestes.

 

Lies ein Buch mit einem Vornamen im Titel!

Sie heißen Adam und Eva, Ove und Olga. Seid Ihr gespannt auf ihre Schicksale? Ein Name auf dem Cover und fast schon meinen wir, die handelnden Personen zu kennen, bevor das Buch überhaupt aufgeschlagen wurde. Hat der Name etwas mit dem Charakter zu tun, welche Namen gelten als intelligent und gefällt der Name? Schon kreisen die Hirnzellen um die fiktive Person, ziehen womöglich Vergleiche in unserem Bekanntenkreis und das Lese-Kennenlern-Spiel beginnt, bevor wir überhaupt das Buch aufgeschlagen haben. Welche Eigenschaften verbindet Ihr mit Namen auf Buchtiteln und wurden Eure Erwartungen erfüllt? Schreibt es auf #rtrc21.

Lesetipps

Abel, Susanne:
Stay away from Gretchen: eine unmögliche Liebe. München: dtv, 2021. – 526 Seiten

Bei der 84-jährigen Greta wird eine Alzheimer-Demenz diagnostiziert, die weder sie noch ihr Sohn Tom akzeptieren wollen. Durch die Krankheit werden Ereignisse aus Gretas Kindheit und Jugend in der Zeit um den 2. Weltkrieg wieder präsent. Tom recherchiert. Dabei kommt er Unglaublichem auf die Spur. Schöner Familienroman.

Backman, Fredrik:
Ein Mann namens Ove: Roman. Frankfurt am Main: Fischer Krüger, 2014. – 362 Seiten

Ove ist 59, Frührentner, und in der Reihenhaussiedlung als mürrischer Eigenbrötler bekannt. Doch dann zieht nebenan eine junge schwedisch-iranische Familie ein. Der Roman des in Schweden bekannten Bloggers wurde auf Anhieb ein Bestseller und weist einige Parallelen zu Clint Eastwoods Film „Gran Torino“ auf. Erzählerisch ein Genuss und randvoll mit Humor, Herzenswärme und Emotionen.

Melzer, Benjamin:
Endlich Ben: Transgender – mein Weg vom Mädchen zum Mann. Hamburg: Eden Books, 2020. – 238 Seiten

Benjamin Melzer erzählt die Geschichte seiner Transformation vom Mädchen zum Mann. Er gibt Antworten auf alle möglichen Fragen zum Thema Transgender und berichtet über Höhen und Tiefen auf seinem langen Weg zu seiner ureigenen Identität.

Otoo, Sharon Dodua:
Adas Raum: Roman. Frankfurt am Main: S.Fischer, 2021. – 317 Seiten

Vier scheinbar verschiedene Frauen aus unterschiedlichen Epochen, alle heißen Ada, erzählen ihre Geschichte und was es bedeutet, Frau zu sein. Gemeinsam ist ihnen ihr entschiedener Kampf für die eigene Unabhängigkeit sowie gegen männliche Unterdrückung und Gewalt.

Schlink, Bernhard:
Olga: Roman. Zürich: Diogenes, 2019. – 310 Seiten

Olga, 1883 in Breslau geboren, wird ein bewegtes, fast 90-jähriges Leben führen. Schlesien, Pommern, Ostpreußen und Schwaben sind die Stationen, an denen sie 2 Weltkriege überleben wird. Doch Olga wird nie loskommen von ihrer Jugendliebe Herbert, der bei einer Arktis-Expedition verschollen bleibt.

Twain, Mark:
Die Tagebücher von Adam und Eva. München: Dt. Taschenbuch-Verl., 2008. – 88 Seiten

Die ersten Tage der Menschheit: Adam, der es nicht gewohnt ist, Gesellschaft zu haben und sich plötzlich mit dem neuen Geschöpf mit den langen Haaren auseinandersetzen muss, und Eva, die sich erst einmal für ein Experiment hält. Die beiden fremdeln zunächst, aber natürlich finden sie zueinander. Mark Twain spielt mit den Klischees »typisch Mann« und »typisch Frau« und zieht dabei alle Register seines Humors. Ein Klassiker!

 

Lies ein Buch, das verfilmt wurde

Buch oder Film? Das ist hier die Frage. In unserem Bekanntenkreis entspinnen sich immer dann die spannendsten Diskussionen, wenn wir uns über Literaturverfilmungen in die Haare kriegen. Des einen Leid ist des anderen Freud. Oft reden wir dann darüber, wie Buch und Film voneinander abweichen und ob unsere Erwartungen an den Film und unsere Vorstellung von den Personen vor unseren inneren Augen erfüllt wurden – vorausgesetzt wir haben das Buch vorher gelesen. Wie haltet Ihr es? Mögt Ihr Filme zu Büchern? Teilt Eure Meinung unter #rtrc21.

Lesetipps

Atwood, Margaret:
Der Report der Magd: Roman. Frankfurt: Piper Taschenbuch, 2020.

Bisher ist Margaret Atwood immer knapp am Literaturnobelpreis vorbeigeschrammt. Dabei hätten ihre gesellschaftspolitischen Romane eine internationale Auszeichnung verdient. In dieser beklemmenden Dystopie haben religiöse Fanatiker die Macht in den USA übernommen. Die Frauen, denen jede Betätigung außerhalb des Hauses verboten ist, werden in Gruppen eingeteilt: Ehefrauen, Hauspersonal, Mägde. Ausgewählte Mägde müssen für verdiente Bürger Kinder gebären. Eine von ihnen erzählt ihre Geschichte. Die Filmserie ist sehenswert.

Der Film zum Buch:
The Handmaid’s Tale – der Report der Magd: Season 1. Darsteller: Elisabeth Moss, Yvonne Strahovski, Joseph Fiennes… Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc., 2018. – 4 DVDs (circa 9 h)

Capote, Truman:
Frühstück bei Tiffany: Roman. Zürich: Kein & Aber Pocket, 2019. – 118 Seiten

Fast alle kennen zumindest diese eine Szene, als Audrey Hepburn voller Sehnsucht ins Schaufenster von Tiffany in New York schaut. Der Film ist ein Klassiker und auch das Buch lohnt zu lesen. Denn Truman Capote schreibt gekonnt über Sehnsüchte und Wünsche junger Menschen in der Großstadt. Die Namen von Audrey Hepburn und Holly Golightly sind synonym seit Truman Capotes erfolgreicher Roman 1961 zu einer romantischen Filmkomödie umgestaltet wurde. Für alle, die Klassiker lieben, auch als Buch ein Muss!

Der Film zum Buch: Frühstück bei Tiffany in der Classic Edition.
Darsteller: Audrey Hepburn. Universal Pictures Video , 2012. – 3 DVDs (Laufzeit Film circa 110 Min.)

Christie, Agatha:
Der Tod auf dem Nil: ein Fall für Poirot. Hamburg: Atlantik, 2014. – 314 Seiten

Während einer Vergnügungsfahrt auf einem Nildampfer passieren mehrere Morde, für die beinahe alle Mitreisenden als Täter in Frage kommen, was Hercule Poirots Ermittlungen sehr erschwert. Mehrfach verfilmter Roman der Queen of Crime.

Der Film zum Buch:
Agatha Christie – Tod auf dem Nil.

Regie: John Guillermin; Darsteller: Peter Ustinov, Jane Birkin, Bette Davis… STUDIOCANAL GmbH, 2017. – 1 DVD (circa 135 min)

Harris, Thomas:
Das Schweigen der Lämmer: Roman. München: Heyne, 2012. – 382 Seiten

Spannender Psychothriller mit Gänsehauteffekt. Und auch der Film ist absolut nichts für schwache Nerven. Die junge FBI-Agentin Clarice Starling wird auf den Fall eines Serienmörders angesetzt. Um Hinweise auf Motiv und Täter zu bekommen, will Clarice einen anderen Serienkiller interviewen, den inhaftierten Dr. Hannibal Lecter. Der hochintelligente, aber gemeingefährliche Lecter durchschaut Clarices Absicht – und macht sie zum Spielball seiner kühl kalkulierenden, grausamen Lust.

Der Film zum Buch:
Das Schweigen der Lämmer

Regie: Jonathan Demme; Darsteller: Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn.  Twentieth Century Fox , 2006. – 1 DVD (circa 113 min)

Tolkien, J. R. R.:
Der Herr der Ringe. Stuttgart: Klett-Cotta, 2015. – 1543 Seiten

Fantasy-Klassiker und darf in dieser Rubrik nicht fehlen. Die Chronik über das zwergähnliche Volk der Hobbits, das sich mit den Kräften des Bösen auseinandersetzen muss. Es gibt Menschen im meinem Bekanntenkreis, welche die Filme zumindest einmal im Jahr zelebrieren. Atemberaubende Landschaften, Schlachtengetümmel und abenteuerliche Szenen sorgen für Suchtfaktor. Das Buch ist nicht minder spannend und bietet im Vergleich zum Film mehr an Ideen zum Zustand von menschlichen (und nichtmenschlichen) Gesellschaften, Zustandekommen von politischen Entscheidungen und Machtstrategien. Puristen lesen die grüne dreibändige Ausgabe in der Übersetzung von Wolfgang Krege, ich mag mehr die sprachlich elegantere Neuübersetzung von Margaret Carroux, beide im Klett Cotta Verlag.

Der Film zum Buch:
Der Herr der Ringe – die Spielfilm Trilogie.
Regie: Peter Jackson; Darsteller: Elijah Wood, Ian McKellen, Liv Tyler…  Warner Bros., 2012. – 3 DVDs (circa 535 min)

 

Lies ein Buch, das in deinem Geburtsjahr erschienen ist

Was waren das für Zeiten, als ich geboren wurde? Was ist damals in der Welt passiert? Und in diesem Zusammenhang stellt sich für passionierte Leser/innen auch mal die Frage: Welche Bücher wurden in meinem Geburtsjahr geschrieben? Welche haben die Zeiten überdauert, wie werden sie heute rezipiert und sind sie heute noch lesenswert? Taucht ab in vergangene Zeiten und teilt eure Leseerlebnisse unter #rtrc21.
Wie Ihr an Bücher aus Eurem Geburtsjahr kommt? Vielleicht findet Ihr hier ein paar Inspirationen:

Lesetipps

Magenau, Jörg:
Bestseller : Bücher, die wir liebten – und was sie über uns verraten. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2018. – 288 Seiten

Bestseller sind mehr als erfolgreiche Bücher. Sie sind Spiegel ihrer Zeit. Jörg Magenau fahndet in den Bestsellerregalen von 1945 bis heute danach, was die Bücher über uns als Gesellschaft und unsere Stimmungen erzählen. Warum traten bestimmte Bücher zu ihrer Zeit eine Debatte los oder lösten einen Hype aus? Eine unterhaltsame Reise durch die Bestseller der letzten 60 Jahre.

1001 Bücher, die Sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist / herausgegeben von Peter Boxall. Oetwil am See: Edition Olms , 2017. – 960 Seiten: Illustrationen

Eine Fundgruber für Leser/innen: Hier gibt es eine Kurzvorstellung von 1001 Romanen aus allen Epochen und in chronologischer Reihenfolge mit Informationen zu Entstehung, Inhalt, literarischer Bedeutung und Rezeption.

 

Lies ein Buch, das Dir von der Stadtbibliothek deines Vertrauens empfohlen wurde

Natürlich haben auch die Mitarbeiter/innen der Stadtbibliothek Lieblingsbücher. Regelmäßíg teilen wir unsere Leseerfahrungen mit Euch in der Rubrik „Medienempfehlungen“ im Katalog.
Schaut mal rein in unsere monatlichen Medienempfehlungen!

 

Flyer für die Reutlinger Reading Challenge 2021

Fotos im Text: Pixabay

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