Von A bis Z – ein Alphabet der Alphabetisierung

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von Tanja Schleyerbach; Fotoredaktion: Jennifer Hildinger

Der Weltalphabetisierungstag wird jährlich am 08. September begangen und macht darauf aufmerksam, dass in Deutschland rund 6,2 Millionen und weltweit über 750 Millionen Erwachsene nicht ausreichend lesen und schreiben können, um im Alltag zurechtzukommen. Die Stadtbibliothek Reutlingen macht als erste Bibliothek bundesweit seit 1991 jedes Jahr dazu ein Programm und hat seit 31 Jahren einen Bestand in Leichter Sprache.

Was tun, wenn jemand im eigenen Umfeld auffällt, der sich mit dem Lesen und Schreiben schwertut? Am besten einfühlsam ansprechen, nach seinem Erleben der täglichen Herausforderungen damit fragen und auf Alphabetisierungskurse wie die der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA), der BruderhausDiakonie oder der Volkshochschule Reutlingen aufmerksam machen.

Wenn die erste Hürde genommen ist und der gering literalisierte Mensch einen Kurs zum Lesen- und Schreibenlernen besucht, traut er sich vielleicht auch in die Stadtbibliothek Reutlingen. Hier findet er viele spannende und unterhaltsame Bücher in Leichter oder Einfacher Sprache. Lesen kann und soll Spaß machen! Auch Sachinformationen in Leichter und Einfacher Sprache gibt es – in Buchform und online. Vielleicht sind aber auch Filme, Spiele, Hör-CDs, Musik oder unsere Musikinstrumente interessant. Es gibt viele Veranstaltungen und sogar Veeh-Harfen-Musikgruppen, die sich in der Bibliothek treffen. Noten lesen können muss man dazu nicht. Für viele Angebote muss man nicht gut lesen oder schreiben können. Die Veranstaltungsreihe „Bücher lesen in Einfacher Sprache“ findet zweimal jährlich an je vier Terminen statt. Ehrenamtliche lesen aus ihrem Lieblingsbuch in Einfacher Sprache und kommen mit den Besucher/innen darüber ins Gespräch. Auch eine Schauspielerin des Theaterpädagogikzentrums Baden-Württemberg kommt an einem Abend, liest ein tolles Buch vor und bezieht die Zuhörer/innen mit Theaterpädagogik ein.

Ich wünsche mir, dass die Bibliothek – von vielen noch vorwiegend als Buch- oder Medien-Haus angesehen – zugleich und noch viel mehr wahrgenommen wird als ein zentral gelegener, unkomplizierter, offener Treffpunkt in der Stadtgesellschaft ohne Konsumzwang und mit freundlichem Personal zur Unterstützung bei Bedarf; als Ort des friedlichen, toleranten Koexistierens aller Menschen, als Zentrum für Information, Austausch, Kommunikation und gemeinsames Erleben. Ein Meeting-Point, in der die Vielfalt der Besucher/innen so selbstverständlich ist wie unsere Medien. Und mittendrin Menschen, die sich mit dem Lesen und Schreiben noch schwertun und sich trotzdem pudelwohl fühlen. Das ist mein Traum von einem Ort für alle mitten in der Stadt. Dafür möchte ich arbeiten.

Weil das so ist, habe ich zum Weltalphabetisierungstag ein Alphabet der Alphabetisierung zusammengestellt. Damit wir darüber nachdenken können, wie es sein mag, mit Lese- und Schreibschwierigkeiten seinen Alltag zu bewältigen. Und einen Blick dafür bekommen, wenn wir jemanden begegnen, dem es schwerfällt und der dieses Defizit oft das ganze Leben lang selbst vor seinen nächsten Angehörigen versteckt hält.

A

Aller Anfang ist schwer, vor allem, wenn man als Erwachsener nochmals einen Lese- und Schreibkurs besuchen soll. Das Alfa-Telefon hilft bei der Kurs-Suche: 0800 53 33 44 55.

B

Buchstaben können viele Menschen entziffern oder schreiben, aber manche können ganze Wörter oder Sätze nicht flüssig lesen oder schreiben.

C

Corona bedeutet für viele lese- und schreibschwache Menschen, dass sie noch mehr Angst haben, ihre Arbeit zu verlieren.

D

Das erste Mal einen Liebesbrief schreiben zu können, macht gleich zwei Menschen glücklich.

E

Einige Filme und Bücher handeln von Menschen, die mit den Buchstaben kämpfen wie andere mit schweren Aufgaben. Meistens geht die Geschichte gut aus, und jemand hilft ihnen beim Lesen- und Schreibenlernen.

F

Ferdinand Piëch, ehemaliger VW-Chef, hatte (wie viele andere bekannte Menschen) eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und hat es trotzdem an die Spitze eines großen Unternehmens geschafft.

G

Grundbildung ist mehr, als nur flüssig lesen und schreiben zu können. Auch Rechnen, einfaches Computerwissen und Englischkenntnisse gehören dazu.

H

Humor hilft, reicht aber alleine nicht, um durchs Leben zu kommen.

I

Im Landkreis Reutlingen leben ca. 40.000 Menschen (14 %) mit Lese- und Schreibschwierigkeiten.

J

Jugendliche verlassen manchmal die Schule ohne Abschluss. Jedes Jahr sind es 52.000 in Deutschland. Auch sie möchten eine Ausbildung machen und in einem Beruf arbeiten.

K

Kinder lernen in der Schule lesen und schreiben. Für manche ist das schwerer als für andere. Deshalb gibt es auch für Kinder Bücher in Leichter Sprache.

L

Literalität ist ein Fremdwort und bedeutet Lese- und Schreibfähigkeit.

M

Männer haben häufiger als Frauen Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben.

N

Nicht jeder Chef weiß, dass ein Angestellter Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben hat. Manchmal hört er zum ersten Mal davon, wenn eine Beförderung ansteht. 12,6 % der Menschen im Beruf sind funktionale Analphabeten.

O

Ohne Bücher keine Geschichten. Damit alle Menschen Spaß am Lesen haben können, bieten wir auch Bücher in Leichter und Einfacher Sprache an.

P

Papa weiß vielleicht gar nicht, dass Mama nicht lesen und schreiben kann – oder umgekehrt.

Q

Querelen kann es schon mal geben, wenn man etwas falsch macht, nur weil man eine Information nicht richtig lesen und verstehen konnte.

R

Reutlingen hat über 16.000 Einwohner/innen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten.

S

Steuerformulare auszufüllen, ist für viele Menschen schwierig, und sie brauchen Hilfe. Auch beim Lesen- und Schreibenlernen gibt es Hilfe.

T

Tarzan bringt es sich selber bei, und Albert Camus berichtet in seiner Autobiographie darüber. Das mühsame Lesen- und Schreibenlernen.

U

Ueberglücklich sind viele Menschen, die es geschafft haben. Obwohl sie zuerst gedacht hatten, dass sie zu alt oder zu dumm zum Lesen- und Schreibenlernen sind.

V

Vorurteile gibt es viele gegen Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten. Aber sie hatten einfach nicht die Chance, es zu lernen.

W

Weltweit gibt es mehr als 750 Millionen Menschen, die nicht gut lesen und schreiben können.

X

XXX – mit drei Kreuzen unterschreiben möchte niemand. Deswegen ist es gut, seinen eigenen Namen und noch viel mehr schreiben zu können.

Y

Ypsilon ist ein Buchstabe, der im Deutschen nicht so oft vorkommt, aber bei Typ, Physik oder Tyrann dann eben doch.

Z

Zu viele, nämlich 6,2 Millionen Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten gibt es in Deutschland. Viele Menschen sollen das wissen und ihnen helfen, einen Kurs zu finden.

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36 Grad – Go Liegestuhl!

von Andrea Däuwel-Bernd. „36 Grad und es wird immer heißer“, singt Inga Humpe von der Gruppe 2raumwohnung. Was für ein Ohrwurm, passt zum Sommerwetter. Doch das Mitsingen ist mir vergangen. Gefühlte 42 Grad hat es hier im Büro der Stadtbibliothek. Ich klebe schweißgebadet auf dem Bürostuhl fest. Die Sonne liegt auf den Fensterflächen und tut, … Weiterlesen …

Let’s talk about books! – Booktube

Von Andrea Bässgen. Wenn ich gelegentlich erwähne, dass ich in meiner Studienzeit mit Freundinnen einen privaten Buchclub hatte, reagieren Gesprächspartner/innen häufig mit Unverständnis. Was habt ihr da gemacht? Ein Beziehungsdiagramm zwischen allen Protagonist/innen von Krieg und Frieden gezeichnet? Oder die dritte Metaebene von Dantes Göttlicher Komödie (nie gelesen) diskutiert? Nein. Obwohl das bestimmt auch Spaß … Weiterlesen …

Interview mit einem Rüsseltier

Hallo Rosalie, was macht denn ein rosa Schwein in der Kinderbibliothek? Also ich verbitte mir das. Schwein bin ich nicht. Sondern ein Rüsseltier. Ein echtes Rüsseltier. Einzigartig. Unikum. Na dann erzähl mal, wie bist du hier her gekommen? Tja, das war 1985, zum Neubau der Stadtbibliothek Reutlingen. Für das Veranstaltungsprogramm der Kinderbibliothek wurde ein Logo … Weiterlesen …

Haltung zeigen! Internationaler Tag gegen Rassismus

von Lisa Roth.
Am 21. März 1966 riefen die Vereinten Nationen zum ersten Mal den Internationalen Tag gegen Rassismus aus. Warum wurde für diesen Jahrestag der 21. März gewählt? Hintergrund ist das Massaker von Sharpeville, Südafrika am 21. März 1960. An diesem Tag wurden 69 Menschen erschossen und viele weitere verletzt. Etwa 5000 bis 7000 Schwarze Südafrikaner/innen hatten sich damals im Township Sharpeville zusammengefunden und friedlich gegen die diskriminierenden Passgesetze demonstriert. Die Situation eskalierte und die Polizei schoss in die Menge. Da die Aktionen um diesen Gedenktag herum zahlreicher wurden, wird seit 2008 der Aktionszeitraum auf zwei volle Wochen ausgeweitet. Die Stiftung gegen Rassismus organisiert seit 2016 die Internationalen Wochen gegen Rassismus (IWgR). Haltung zeigen – das ist das Motto der diesjährigen Internationalen Wochen gegen Rassismus.

In diesem Jahr beteiligen auch wir uns an den Internationalen Wochen gegen Rassismus. Vom 15. bis 26. März dürfen alle Besucher/innen im Erdgeschoss der Stadtbibliothek ihr Statement zur Frage “Was bedeutet (für mich) Haltung zeigen” abgeben. Unter #IWgR22 und #HaltungZeigen kann man seine Haltung auch über Social Media teilen.  Eine digitale Ausstellung in der Hauptstelle und auf unserer Website zeigt die Gewinner/innen des Kreativwettbewerbs „Haltung zeigen“ der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus.

© Niklas Kock, Hamburg

Doch was bedeutet es für uns als Stadtbibliothek und öffentliche Einrichtung Haltung zu zeigen? Wie politisch können Bibliotheken sein? Fest steht, Bibliotheken sind ein offener Ort für alle. Sie schaffen Zugang zu Bildung und Information. Aufklärung und Information sind wichtige Mittel, um Vorurteile zu entkräften und zu beseitigen.  Dafür steht in Bibliotheken ein breites Spektrum an Medien und anderen weiterführenden Informationen zur Verfügung.

Im Folgenden möchten wir allen unseren Leser/innen einen kleinen Einblick in unsere Medien zum Thema geben und haben außerdem eine kleine Auswahl von weiterführenden Links zusammengestellt. Bleiben Sie informiert und zeigen Sie gemeinsam mit uns Haltung gegen Rassimus!

Lesen, hören und sehen was wichtig ist

Unsere Aktion „Was bedeutet (für mich) Haltung zeigen?“ unterstützen wir mit einer passenden Medienausstellung.

In Zeiten der “Black Lives Matter”-Bewegung werden Filme über Polizeigewalt, Diskriminierung und Bürgerrechte und über die Schicksale der Betroffenen immer wichtiger. Hier sind unsere Tipps für Filme zu den Aktionswochen gegen Rassismus.

© Stabstelle VIELFALT

Was ist Rassismus?

Racial profiling, Islamfeindlichkeit und institutioneller Rassismus: Rassismus hat viele Gesichter und ist nicht einfach nur gleichzusetzen mit Nationalsozialismus und Rechtsextremismus. Die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt kurz und anschaulich die Geschichte und Definition von Rassismus.

© Pia Höhfeld, Berlin

Woher kommst du? Du sprichst ja ganz gut Deutsch!

Viele Menschen hören diese Worte jeden Tag. Warum fallen sie auf? Aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Aussehens oder ihrer Religion werden sie mit Vorurteilen konfrontiert oder offen benachteiligt und diskriminiert. Das Projekt „Alltagsrassismus protokolliert“ von Amnesty International lässt betroffenen Personen in Video-Interviews ihre Geschichten erzählen.

 

© Paula Koschützke

Deutschland ist bunt.

In Deutschland leben über 1 Millionen Menschen afrikanischer Herkunft.
2020 wurde der afrozensus veröffentlicht. An der Onlinebefragung nahmen knapp 6000 afrikanische und afrodiasporische Menschen in Deutschland teil. Das Ergebnis ist ein Report mit über 300 Seiten. Das erste Mal wurde so umfassend statistische Daten zu dieser Bevölkerungsgruppe erfasst.

© Sandra Kraug / Sudhaus 7, Stuttgart

Was wird gegen Rassismus in Deutschland unternommen?

Es gibt viele deutsche Stiftungen gegen Rassismus und Diskriminierung, wie z.B. die Amadeu Antonio Stiftung. Amadeu Antonio wurde 1990 von rechtsextremen Jugendlichen im brandenburgischen Eberswalde ins Koma geprügelt und erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Er war eines der ersten Todesopfer rechter Gewalt im wiedervereinigten Deutschland. Ziel der Stiftung ist es, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet.

Was bedeutet es für euch Haltung zu zeigen?

Teilt es uns mit! Schreibt uns beim nächsten Besuch, was es für Euch bedeutet Haltung zu zeigen. Die Pinnwand findet Ihr im Erdgeschoss der Stadtbibliothek. Wir freuen uns auf Euren Input.

 
 

Black History Month

von Lisa Roth. Was haben Oprah Winfrey, Barack Obama und Aretha Franklin gemeinsam? Richtig, sie sind berühmt, haben Einfluss und auf die ein oder andere Weise Geschichte geschrieben. Ach ja – außerdem sind sie Schwarz. Seit Jahrzehnten feiern im Februar mit dem „Black History Month“ schwarze Menschen ihre Geschichte und Kultur. Entstanden ist die Initiative … Weiterlesen …

Ein weiteres Coronajahr vorbei

von Argiro Mavromatis. Es gab zwei himmelblaue Wochen im letzten Jahr. Sonnenschein, Wärme – das war‘s. Der Rest war nix. Nicht nur wegen des verregneten Sommers. Lockdown Anfang bis Mitte März, restriktive Zugangsregelungen in der Stadtbibliothek – Corona blieb ein Spaßverderber: Für unsere Kund/innen, die nicht mehr in den Regalen stöberten, für die Schüler/innen, die … Weiterlesen …

Klein aber fein – die Zweigstelle Bronnweiler der Stadtbibliothek Reutlingen

von Andrea Bässgen. Nichts ist steiler als Bronnweiler. Aber fast geschafft, den Berg hinauf (und wieder hinunter) die Steigung ist bewältigt und schon ist man fast in einer der kleinsten Zweigstellen der Stadtbibliothek Reutlingen angekommen. Nicht ganz leicht und schon gar nicht zufällig zu entdecken liegt die Zweigstelle Bronnweiler im gleichen Gebäude wie der Kindergarten, … Weiterlesen …

Eine Frage der Perspektive – Bookfaces in der Stadtbibliothek Reutlingen

von Lisa Weber. Jede Woche zieht ein kleiner Pulk von Kolleginnen durchs Haus – bewaffnet mit Tablet, Handy und ein bis zwei Büchern unter dem Arm sind sie auf der Suche nach der richtigen Perspektive. Dann ist allen in der Bibliothek klar: Hier kommt das Social Media Team und ein neues Bookface ist in Arbeit. … Weiterlesen …

Wer A sagt, muss auch A lesen? Gedanken zum Alphabetisierungstag

von Clara Schilling. Das Erste, was ich morgens nach dem Weckerklingeln mache, ist die Kurznachricht von der Tagesschau zu lesen, in der die Neuigkeiten des Tages zusammengefasst sind. Bevor ich das Haus verlasse, checke ich in der Bahn-App, ob mein Zug pünktlich ist. Am Bahnhof werfe ich einen Blick auf die Anzeige, ob das auch … Weiterlesen …